Oder die Geschichte von Isa, die schon so lange ihre Mutter vermisst.

Seit ich fünf Jahre alt bin, gehe ich nicht mehr auf Spielplätze, nicht mal mit Sarah, meiner Tochter. Kurz nach meinem fünften Geburtstag war ich auf einem, das letzte Mal. Meine Mutter saß am Rand auf einer Bank und las. Sie las oft, all meine Erinnerungen an sie haben mit Büchern zu tun. An diesem Tag – einem sonnigen, wunderbaren Junitag – lernte ich ein Mädchen namens Alexandra auf dem Spielplatz kennen. Sie war ein oder zwei Jahre älter als ich. Wir malten mit Stöcken im Sand, wir schaukelten. Und als ich wieder aufsah, war meine Mutter nicht mehr da.

Ich konnte nicht fassen, dass ich sie aus den Augen gelassen hatte. Ich konnte nicht fassen, dass die größte Angst meiner ersten Lebensjahre sich erfüllt hatte, in einem Augenblick, in dem mich nichts davor gewarnt hatte. 

Oder die vielen Geschichten der Menschen, die miteinander in dem Haus leben, in dem auch dieses Café ist:

Den Aushänger konnte man weithin sehen. Das Café selbst versteckte sich hinter der ersten Häuserzeile. Es wurde erst sichtbar, wenn man durch die Toreinfahrt gegangen war und auf das kleinere Wohnhaus zu lief, das sich hinter das Vorderhaus duckte, weil es wohl beschlossen hatte, ein geheimeres Leben als sein großer Kompagnon da vorn zu führen.

Eva mochte die zweite Reihe. Die Zeit in der ersten Reihe war nicht die beste gewesen, ein Stück weiter hinten konnte es also vermutlich nur besser werden. Eva verkrallte sich in ihren zwanghaften Optimismus, während sie mit einer Hand das Gepäck balancierte, mit der anderen in ihrer Tasche nach dem Schlüssel fischte und aus den Augenwinkeln las: „Wie im Paradies“. Noch ein Anker für Optimismus: Alles gut, alles gut.

Da war der Schlüssel.

Während sie ihn im Schloss drehte, fiel Eva fast ins Haus, weil die Tür im gleichen Moment aufging.

„Steffen, von ganz oben“, stellte sich der Türöffner vor.